Gut durch die Krise dank Waffenproduktion

Ebenfalls am 15.03.2010 informierte meine Tageszeitung ausführlich über eine Studie des schwedischen Sipri-Instituts, einer renommierten Friedensforschungsinstitution. Ich erfuhr, dass sich seit Beginn des Jahrzehnts die deutschen Waffenexporte mehr als verdoppelt haben, dass Deutschland nun der drittgrößte Exporteur von Rüstungsgütern ist, dass unser Anteil am Welthandel mit Kriegsmaterial von sechs auf elf Prozent gestiegen ist und dass der Umsatz der Waffenhändler zwischen 2005 und 2009 um 22 Prozent höher lag als in der vorhergehenden Fünfjahresperiode.

Immerhin bekommen wir solche Informationen, doch mir scheint, sie gehen in der täglichen Nachrichtenflut unter. In den Zeiten der Friedensbewegung hätten sie vielleicht noch zu einem Aufschrei geführt, heute nehmen wir sie eher ungerührt, vielleicht auch resigniert zur Kenntnis. Mir blieb beim Lesen dieser Zahlen die Freude darüber, dass unser Land bis jetzt einigermaßen unbeschadet durch die Finanzkrise gekommen ist, und ich ebenfalls, im Halse stecken. Offensichtlich ist es ja nicht nur der geschickte Einsatz von Kurzarbeit, der einen massiven Anstieg der Arbeitslosigkeit verhindert hat.

Im Nachhinein bekam ich beim Lesen dieser Nachricht Respekt vor einer Freundin, Bürogehilfin von Beruf, die schon vor 25 Jahren lieber arbeitslos blieb – worunter sie sehr litt – als eine Stelle anzunehmen, die irgendwie im Zusammenhang mit Rüstungsproduktion stand. Wir fanden es damals völlig übertrieben, wie genau sie recherchierte, und wie sie auch bei harmlosesten Firmen solche Zusammenhänge aufdeckte. Wir waren uns alle einig, dass sie  in diesem Punkt ein bisschen spinnt.

Natürlich hat sie als Einzelne mit diesem konsequenten Verhalten nur sich selbst geschadet. Aber was wäre, wenn viele so handeln würden? Wenn gegenüber den Arbeitsagenturen ein Recht auf Verweigerung der Annahme bestimmter Arbeitsplätze aus Gewissensgründen durchgesetzt würde? Wenn durch eine andere Besteuerung und ein bedingungsloses Grundeinkommen die Regierungen nicht mehr gezwungen wären, um jeden Preis Arbeitsplätze zu erhalten? Wenn Gemeinden keine Rüstungsproduktion mehr auf ihrem Gebiet zulassen würden? Wenn dann irgendwann der Handel mit Waffen auch international geächtet werden würde? Sicher, das ist ein langer Weg, aber unmöglich erscheint es mir nicht.

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